Südamerika

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Los Suizos Locos

Als ich im 2011 noch in der Schweiz meine Reise am Planen war, kam bei einigen meiner Freunde die Idee auf, sie könnten mich ja in Südamerika besuchen kommen. Wir konnten uns aber vor meiner Abreise auf keinen Nenner einigen. Erst als ich schon in Ecuador war, erhielt ich plötzlich ein Mail, dass ich mich nun trotzdem Ende März auf Besuch freuen darf.
So kam es, dass ich am 29.03.2012 meine Freunde Stefan, Andreas, Marco und Peter in Buenos Aires empfangen durfte. Peter, der Vierte im Bunde, verweilte bereits seit drei Monaten in der argentinischen Hauptstadt bei einer „Gastfamilie“ (bestehend aus Mariana) und die andern drei hatten drei Wochen Ferien eingegeben, um von Buenos Aires mit nach Rio de Janeiro zu reisen und mich auf meinem Schlussspurt zu begleiten.
Ich merkte schnell, dass ich mich von meinen bisherigen Reisegewohnheiten etwas lösen musste; zu fünft geht alles etwas langsamer und vielleicht auch etwas umständlicher, als wenn man alleine unterwegs ist.
Wir genossen die paar Tage in Buenos, besuchten ein Spiel der legendären Boca Juniors (das Spiel war grottenschlecht, die Stimmung dafür einmalig), sahen das Grab der Evita und schlenderten durch die Viertel San Telmo und Boca. Ziemlich cool war auch, dass Peter nach drei Monaten schon fast als Porteño durchging und die Stadt ziemlich gut kannte. Zudem wurden wir am Freitag Abend zur Geburtstagsparty seiner „Gastmutter“, welche ein paar Tage zuvor 30 wurde, eingeladen, wo wir herzlich empfangen und unterhalten wurden. Um Mitternacht durfte dann auch ich meinen Geburtstag in Angriff nehmen und die Party war lanciert und es wurde gefeiert bis es hell wurde… ;-) Dementsprechend gestaltete sich der Samstag dann eher ruhig und gelassen und am Abend genossen wir dann zu fünft ein leckeres Bife de Lomo und etwas Wein, um auf meinen 31. anzustossen.
Zusammen entschieden wir uns, nach Buenos Aires zuerst einen Tagesausflug nach Uruguay, ins Städtchen Colonia zu machen (dauert nur eine Stunde mit der Fähre) und am selben Tag den Nachtbus nach Cordoba zu nehmen. Nach dem pulsierenden Bs.As. zog es uns aufs Land und wir visierten das Städtchen La Cumbre, gut zwei Busstunden von Cordoba entfernt, an. Wir stiegen in einem Hostel in einer alten englischen Villa ab und atmeten erst mal richtig durch. Nach der Siesta liess ich mich von Stefu und Ändu zum Joggen überreden… das erste Mal seit ich unterwegs bin… (!!!) und am Abend feuerten wir den Grill ein und bereiteten unsere eigene richtige Parilla zu.
Am nächsten Tag mieteten wir bei Ismael, einem ausgewanderten Spanier, fünf Bikes und radelten los Richtung einem herrlichen Aussichtspunkt und gleichzeitigem Startplatz für Gleitschirmflieger (La Cumbre ist ein Mekka zum Gleitschirmfliegen).
Und ratet mal, was wir dann machten? Richtig, 10 Minuten später hingen wir alle mit jeweils einem Gleitschirm-Guide der lokalen Gleitschirm-Schule in der Luft, genossen das Gefühl des Fliegens und profitierten von der aussergewöhnlichen Thermik, die an diesem Tag herrschte. Ja, die Thermik war so stark, dass ich mit meinem Piloten einfach nicht landen konnte. Immer wenn wir es wieder versuchten, trieben wir wieder nach oben. Vielleicht wollte mein Pilot die Landung schliesslich etwas erzwingen oder vielleicht war es auch etwas Pech, aber wir hatten immer noch zwei bis drei Meter Distanz zur Landefläche, als uns der Schirm plötzlich im Stich liess und wir mit Arsch und Rücken verdammt unsanft auf die Steine runter stürzten. Nun kenne ich auch das Gefühl einer Bruchlandung und mein Rücken schrie leider wieder einmal nach einem Chiropraktiker oder Physiotherapeuten L Aber ich hatte ja Dafalgan im Reisegepäck… ;-)
Mit einer 20-Stunden-Busfahrt gelangten wir ins Dreiländerdreieck rund um die Iguazu-Wasserfälle. Wir schauten uns das neue Weltwunder jeweils einmal von der argentinischen und einmal von der brasilianischen Seite her an. Aber um ganz ehrlich zu sein… irgendwie hatte ich mehr erwartet (Vielleicht führte der Fluss zu diesem Zeitpunkt etwas wenig Wasser…).
Von Iguazu ging es mit dem Flugzeug nach Rio de Janeiro. Unser Hotel lag in der zweiten Reihe hinter dem weltberühmten Copacabana Strand. Wir genossen das warme Wetter am Strand, besuchten den Zuckerhut und stürzten uns ab- und zu mal ins Nachtleben. Natürlich durfte der Besuch einer richtigen Churasceria nicht fehlen!
Nach drei intensiven Wochen mit den Jungs hiess es dann wieder Abschied nehmen. Stefu, Ändu und Marco flogen wieder zurück in die Schweiz. Pedro machte einen Schritt weiter Richtung Australien und ich…? Mich zog es nochmals zurück auf die Ilha Grande, wo ich die restlichen Tage meiner Reise in Ruhe geniessen will, bevor es in ein paar Tagen wieder zurück in die Schweiz geht.

Ademas:
- An meinem Geburtstag durfte ich sogar ein paar Geschenke aus der Heimat öffnen. Darunter war sogar ein Präsent aus Holland (…vielen Dank Corrie!). Diese Überraschung hatte mich sehr gefreut!
- Der Abschied zwischen Peschä und Mariana in Buenos Aires war für beide sehr emotional. Mariana und auch ihre Mutter Craciela hatten den Pedro in den drei Monaten in ihr Herz geschlossen und auch Pedro konnte sich nur unter Tränen von seiner Gastfamilie trennen. Ich hatte ihn noch nie so gesehen…
- In Cordoba waren wir schon mit einem Bein als Strassen-Penner abgestempelt. Wir hatten keine Unterkunft vorausgebucht und wir waren uns nicht Bewusst, dass während der Semana Santa (Osterwoche) in Cordoba so ziemlich jedes Bett belegt ist. Ein Effort meinerseits mit meinen bescheidenen Spanisch- und Charme-Künsten und der anschliessenden unglaublich gutmütigen Hilfsbereitschaft einer Receptionistin, bescherte uns kurz vor Mitternacht doch noch zwei Zimmer im NH Hotel. Zuvor war eine gewisse Nervosität bei gewissen Mitgliedern unserer Reisegruppe spürbar… ach ich untertreibe… die Nerven lagen fast blank (…gäu Senn;-)
- Auf der Ilha Grande beschäftigte uns regelmässig ein schlecht geerderter, in einer Bar als Dekoration aufgestellter Zapfhahn, welcher einem schön eins „putzte“, wenn man ihn anfasste… ein gewisser Wettkampf, wer wem eins auswischen kann, war entbrannt! Chain-Reaction pur!

So, und zum Schluss noch dies:
Nachdem ich die letzten fünf Monate in 48 verschiedenen Betten geschlafen habe, freue ich mich nun wieder auf mein eigenes Bett zu Hause ;-)
Adios y suerte!

Der Russe in der Kaffeedose

Mit dem Bus ging es von Mendoza über die Grenze in die chilenische Hauptstadt, Santiago De Chile. In meinem Lonely Planet Reiseführer las ich von einem gemütlichen Hostel namens El Patio Suiso, welches von einem Schweizer und seiner chilenischen Frau geführt wird. Tatsächlich war das Bed & Breakfast sehr gemütlich aber auch gut besucht; sie konnten mir nur ein Bett für eine Nacht anbieten. Am nächsten Tag wechselte ich in ein Hostel im Ausgeh-Viertel Bellavista.
Via Facebook nahm ich Kontakt mit Fernando auf. Fernando studiert und lebt in Santiago und wir hatten uns einige Wochen zuvor auf dem Viertagestrip von Cusco nach Machu Picchu kennengelernt. Fernando hatte mir damals gesagt, ich solle dann auf jeden Fall Kontakt mit ihm aufnehmen, wenn ich nach Santiago komme. So kam es, dass er mich quasi zwei Tage lang durch die Stadt führte, die Highlights zeigte und mir kulinarische Spezialitäten wie Mote Con Huesillo (Pfirsichsaft mit einer Art Getreidekorn drin), Terremoto (Studenten-Drink mit Ananas-Sorbet, Wein, Rum und Grenadine Sirup) oder das Maisgericht Pastel De Choclo zu probieren gab. Tja, sie sind halt wirklich sehr freundlich und offenherzig die Chilenen. Muchas gracias Fernando!
Von Santiago ging es weiter an die Küste nach Valparaiso, eine uuuuuuuralte Hafenstadt mit mediterranem Flair und einem Künstlerviertel mit etlichen buntverzierten Häusern. In Valpo, wie es die Einheimischen nennen, überzeugte mich auch das Essen: ob Pasta, Pizza, Fisch oder Salat mit Crevetten… einfach alles war der Hammer und dazu noch ein Gläschen chilenischen Wein… hmmmmm ;-)

Entgegen meiner Grobplanung zog ich von Valpo noch weiter nach Süden. Ich hatte noch einige Tage Zeit, bis ich in Buenos Aires sein musste und Fernando hatte mir empfohlen, wenn möglich einen Blick auf die Seenregion rund um Pucón zu werfen. Also ging es mit dem Nachtbus nach Pucón, welches zu Füssen des Vulkans Villarrica liegt. Ich übernachtete im urchigen Hostel El Refugio, wo ich tolle Leute wie Mark aus den Staaten, Faris aus Neuseeland oder Tom aus Holland kennenlernte. Ich liess es mir natürlich nicht nehmen, eine Wanderung auf den Vulkan Villarrica zu machen. Bei herrlichem Wetter ging es 1400 Höhenmeter hinauf, zuerst durch kantiges Vulkangestein und dann mit Steigeisen über Schnee und Eis bis hinauf auf 2800 Meter. Die Aussicht auf das Seengebiet war atemberaubend! Leider konnte man im aktiven Kraten keine Lawa sehen, aber der Gestank und die in den Lungen brennenden Dämpfe waren eindrücklich, erlaubten uns aber nicht, länger als 30 Minuten auf dem Gipfel zu verweilen.
Für die Weiterreise schloss ich mich kurzerhand mit oben erwähnten Tom und Mark zusammen und wir buchten einen Bus rüber nach Argentinien, nach Bariloche. Mark zog es dann gleich weiter in den Süden. Zusammen mit Tom mietete ich ein Bike und erkundete an einem Tag die wunderschöne Landschaft rund um den Ferienort Bariloche. Irgendwie erinnerte mich die Gegend etwas an unser Engadin, aber es war trotzdem anders. Auf jeden Fall krönten Tom und ich unseren Ausflug mit einem Bierchen auf einer Terrasse mit herrlichem Blick auf das Nobel-Hotel „Llao Llao“ und die darum liegenden Seen.
Nach zwei Übernachtungen in Bariloche war es dann Zeit für mich, endlich nach nach Buenos Aires aufzubrechen. Am 29. März traf ich dort meine Freunde aus der Schweiz. Aber mehr dazu im nächsten Beitrag.
Nun noch zum Titel dieses Artikels:
Ich hatte mich für zwei Nächte in einem sehr gemütlichen Hostel in Valparaiso einquartiert und wurde in einem fünfer Dormitorio einquartiert. Es war der erste Abend in Valpo und ich war gerade vom Nachtessen ins Hostel zurückgekehrt, als am späteren Abend noch neue Gäste ins Zimmertraten. Ein Russe und zwei Russinnen aus Moskau betraten begeistert, ja schon fast euphorisch, und mit lediglich je einem Plastiksack als Gepäck das Zimmer. Pavel, ca. 26 jährig, sprach ziemlich gut Englisch und erzählte mir, dass dies ihre erste Reise ist; sie seien bis jetzt noch nie aus Moskau rausgekommen. An diesem Tag sahen sie zum ersten Mal richtige Berge und schliesslich in Valpo zum ersten Mal den Ozean! Sie waren hin und weg.
Sie hatte jedoch etwas Pech mit dem Gepäck, welches irgendwann während der Reise, wahrscheinlich in London, verloren ging. Anstatt in Santiago auf das Gepäck zu warten, entschieden sie sich einen Ausflug ans Meer zu machen. Pavel erwähnte während des Gesprächs mehrmals einen bestimmten „Freund“. Als ich fragte, wer denn das sei, deutete er auf eine schöne, grün-weiss verzierte Kaffeedose. Er erzählte mir, dass sie die Reise eigentlich zu viert geplant hätten. Ihr Freund sei dann aber an Krebs erkrankt und daran gestorben. Nun hätten sie seine Asche mit nach Chile gebracht, um diese über dem Ozean zu verstreuen. Eine krasse Geschichte, wie ich fand!

Hasta luego!

Von einer Rallye und gestrecktem Wein

Nach einem kurzen Abstecher in die trockenste Gegend der Welt, der Atacama Wüste im Norden Chiles, ging meine Reise weiter in den Norden Argentiniens. In Salta trafen Ronan und ich wie geplant auf Anthony, der endlich wieder, dank empfangener Linsen, klare Sicht hatte. Und dies gerade rechtzeitig… das Gerücht, dass es in Argentinien schöne Frauen hat, ist kein Gerücht;-)
Was mir aber in Argentinien als erstes sehr positiv auffiel, waren weder die Frauen noch die deutlich aufgeräumteren Orte und Städte. Es war die offene, freundliche und auch relaxte Art der Argentinier, die mir dieses Land seit dem ersten Schritt über die Grenze als sehr sympathisch erscheinen lässt. Um ehrlich zu sein, hatten bis jetzt Ecuador, Peru und Bolivien landschaftlich deutlich mehr zu bieten, als der Norden Argentiniens. Aber die muntere Kultur macht extrem viel wett und wo man auch hin kommt und eine Frage hat, wird einem offener und freundlicher weitergeholfen als in den bisherigen Ländern.
In Salta mieteten meine beiden irischen Begleiter und ich einen VW Gol (ohne f) und machten uns auf den Weg nach Cachi.
Die Schotterstrasse zwischen Cachi und Cafayate wird vom öffentlichen Verkehr nicht bedient, wird aber in jedem Reiseführer wärmstens empfohlen. Und tatsächlich war es der Wert, den Wagen zu mieten, war die Strecke doch sehr schön und abwechslungsreich und auch die beiden Dörfer Cachi (wo wir eine Nacht verbrachten) und Cafayate hatten durchaus ihren Charme. Ich muss aber auch eingestehen, dass ich auf der Fahrt das eine und andere Mal Krampferscheinungen in den Händen und Schweissausbrüche hatte. Meine beiden Compañeros sind, soviel kann ich sagen, keine erfahrenen Autofahrer. Zudem sind sie sich den Linksverkehr gewöhnt und ich hatte irgendwie den Eindruck, dass es in Irland eher LandCruiser, RangeRovers und Jeeps gibt, als kleine, tiefliegende VW’s… Auf jeden Fall schleiften zwischendurch ein paar Steine unseren Unterbau, einmal mussten wir die Karre aus dem Schlamm stossen und vor meinem geistigen Auge sah ich immer wieder meinen Namen im Mietvertrag! Bei der Abnahme in Cafayate fragte mich der Vermieter, ob wir bei einer Rallye teilgenommen hätten… ich erwiederte, es hätte lediglich etwas viel Wasser auf der Strasse gehabt… *phhhuuuu-schwitz-schwitz* Aber am Schluss war alles gut.
Danach ging die Reise weiter ins heisse Cordoba, welches mich nicht besonders beeindruckte und anschliessend weiter nach Mendoza.
Mendoza ist umgeben von etlichen Bodegas (Weingüter) und lädt seine Gäste zu Weintouren ein. Zusammen mit Ronan und Anthony und ein paar weiteren Leuten, welche wir in unserem Hostel kennengelernt hatten, machten wir uns auf den Weg zu Mr. Hugo.
Mr. Hugo ist ein Herr um die Sechzig, welcher etwas ausserhalb von Mendoza in seinem Garten rote Velos vermietet und die Touristen mit Wine For Free anlockt. Tatsächlich wird einem als allererstes ein Becher Wein in die Finger gedrückt, bevor man das Fahrrad mietet. Danach schickt Mr. Hugo einem mit einer kleinen Karte ausgerüstet zu den verschiedenen Bodegas in der Gegend, wo man unter anderem herrlichen Malbec degustieren kann. Und wenn man am Abend zurück bei Mr. Hugo ankommt, bittet dieser einen, im Garten Platz zu nehmen und er giesst grosszügig von seinem Roten nach. Doch zu später Stunde wurde ich das Gefühl nicht los, dass mit dem Gesöff etwas nicht stimmen konnte… ich denke, dass Mr. Hugo auch grosszügig mit Wasser oder Traubensaft streckte… ;-)
In Mendoza trennte ich mich von Ronan und Anthony. Die beiden machten sich auf den Weg nach Buenos Aires. Da ich noch einige Tage Zeit habe, bevor ich meine schweizer Freunde Stefu, Senn Ändu, Pedrito und Marco in Buenos Aires treffen werde, will ich vorher nochmals einen Abstecher nach Chile machen (Santiago, Valparaiso und vielleicht noch ein Ort etwas südlicher…).

Hasta luego!

Himmel auf Erden?

Das Einzige, was die beiden gallischen Comic-Helden Asterix und Obelix und ihre Kumpanen jeweils fürchteten, war, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fallen könnte. Wie würde dieses Spektakel wohl aussehen? Eine Vorlage dafür könnte der Salar de Uyuni, ein über 12‘000 km2 grosser Salzsee im südöstlichen Hochland Boliviens liefern. Man darf sich ohne weiteres einen aalglatten, schneeweissen Ozean auf über 4‘500 m.ü.m vorstellen… einfach ein atemberaubender Anblick und es gibt meiner Meinung nach keinen Grund für die Gallier, sich davor zu fürchten.
Doch, was bisher geschah:
Nach dem Aufenthalt auf der Isla Del Sol, stieg ich mit meinen irischen Begleitern in La Paz, dem Regierungssitz Boliviens, in einem irisch geführten Party-Hostel mit integriertem Irish-Pub ab. Eigentlich wollte ich da nur vier Tage bleiben, doch der Karneval machte mir einen Strich durch die Rechnung. War das Fest einmal im Gang, konnte man die Stadt vorerst nicht mehr mit dem Bus verlassen (Busterminal war geschlossen). Die Chauffeure waren alle am Feiern und benötigten auch nach offiziellem Schluss des Festes noch einen Tag, um nüchtern zu werden. Also blieb ich acht Tage. Das wäre eigentlich nicht so schlimm gewesen, ist Bolivien doch unglaublich günstig zum leben… wäre da nicht die Höhe gewesen. Nach ein paar Tagen machten sich bei mir Appetitverlust, Magenprobleme, Müdigkeit, leichte Atemnot und leichte Kopfschmerzen bemerkbar. Anzeichen für die Höhenkrankheit also (Soroche).
Sobald der erste Bus wieder fuhr, verliess ich La Paz und meine Begleiter, und verbrachte zwei Nächte im tiefer gelegenen Cochabamba, um mich etwas zu erholen.
Obwohl mir zwei Reisebüros versicherten, dass Reto Brennwald’s Zug (…siehe SF TV Serie: Panamericana) eine Woche im Voraus ausgebucht sei, machte ich mich trotzdem mit dem Bus auf den Weg nach Oruro, um mich zu vergewissern, dass dies wirklich so ist. Und siehe da, der Wara Wara Zug hatte am Sonntagabend noch reichlich Platz. Also ging es für einmal im Zug anstatt im Bus in gut sieben Stunden von Oruro ins abgelegene Uyuni. Die Fahrt wäre eigentlich cool gewesen, hätten sich nicht wieder Kopfschmerzen und ein Grumor im Magen eingestellt… und dann war da noch dieser übelriechende Greenpeace-Typ neben mir… :-(
In Uyuni traf ich dann wieder Ronan und Anthony und zusammen buchten wir einen dreitages Offroad-Trip durch die Hochgebirgskette bis nach Chile, San Pedro de Atacama. Dieser Trip war ein weiteres Highlight meiner Reise! Durchstreiften wir doch unglaubliche Landschaften zwischen schneebedeckten Gipfeln, farbigen Lagunen und verbrachten zwei Nächte in sehr einfachen, kalten Hostels irgendwo im Nirgendwo. Und dann dachte ich doch immer, Flamingos findet man nur in tropischen Klimaregionen… *papperlapap*!

Ademas:
- La Paz beeindruckte einerseits durch die geografische Lage (die Stadt ist auf fast 4000 m in einen Canyon hineingebaut…) und durch etlichen Gegensätze wie Armut, Reichtum, Tradition, Moderne, etc.
- Eine Atraktion in La Paz ist das Cholita Wrestling, wobei sich immer Sonntags auch mal Frauen in traditionellen Trachten auf den Sack geben (dürfen) (…sehr unterhaltsam!)
- Etwas ausserhalb von La Paz gibt es die Most Dangerous Road In The World (od. El Camino De La Muerte). Bis vor ein paar Jahren war die in den Berghang „gemeisselte“ Strasse die Hauptverbindung vom Altiplano ins Amazonasgebiet Boliviens. Da die Strasse seeeehr schmal ist (z.T. hat kaum ein Auto Platz) kam es zwischendurch mal vor, dass ein Fahrzeug die Kurve eben nicht kratzte und in die Tiefe stürzte. Die Todesrate betrug zwischen 200-300 Tote pro Jahr. Heute wird die Strasse hauptsächlich für touristische Biketouren genutzt und es gibt nur noch 10-20 Tote pro Jahr… ;-) Ich liess mir die Gelegenheit nicht nehmen, um meine Downhill-Skills etwas zu trainieren…
- Einen Fussmarsch ausserhalb von Uyuni werden alte Eisenbahnwagen und Lokomitiven dem Rost überlassen. Bei schönem Wetter sind die alten Eisenungetüme in der Einöde ein interessanter Anblick.
- Es ist nicht immer alles nur schön auf meiner Reise! Immer wieder fällt mir die Armut auf; besonders ausserhalb der grösseren Städte. Und seit ich in Ecuador losgereist bin, macht sich die Abfall-Problematik immer wieder bemerkbar. Verbrennungsanlagen gibt es hier nicht. Plastiksäcke, Petflaschen und zwischendurch ein Tierkadaver liegen oft beidseits der Strassen oder Geleise. Auf dem Weg zum Zug-Friedhof in Uyuni lag ein atemraubendes Geschmäckchen in der Luft während ich meinen Weg durch den Abfall bahnte.
- Am Ende unseres Offroad-Trips passierten nur Ronan und ich die Grenze nach Chile. Anthony ging zurück nach Uyuni, da er seit La Paz verzweifelt versucht, ein Paket mit Kontakt-Linsen, welches ihm aus Irland mit DHL zugeschickt wurde, in Empfang zu nehmen. Wir hoffen, dass wir uns in Salta, Argentinien, wieder treffen. Es soll mir also blos niemand etwas schicken wollen…!
- Auf dem Trip nach Chile wurde ich wieder höhenkrank und ich war so was von froh, dass mir Anthony ein paar von seinen Soroche-Pillen offerierte. So konnte ich die Fahrt trotzdem geniessen.

Nun werde ich mit Ronan mit dem Bus nach Salta weiterreisen und dort hoffentlich auf Anthony treffen. Gerne würde ich dann dem Rat meiner Hermana folgen und mit einem Mietauto die anscheinend sehenswerte Strecke von Cachi nach Cafayate geniessen.

Hasta luego!

Perú

Nach Galapagos war es mein Ziel, möglichst schnell in die peruanische Stadt Cusco zu kommen. Somit fuhr ich zuerst von Guayaquil über die Grenze nach Tumbes und in der gleichen Nacht weiter in die Küstenstadt Machala, wo es bessere Verbindungen nach Lima gab. Nach einer Übernachtung im heiss-schwülen Machala ging es in 19 Stunden nach Lima, wo ich wiederum eine Nacht und einen Tag verbrachte. Die peruanische Hauptstadt war aber nicht wirklich interessant. Am nächsten Tag ging es dann mit einem Luxusliner der Busgesellschaft Cruz Del Sur in weiteren 22 Stunden nach Cusco. Die Fahrt war sehr kurzweilig, hatte ich doch einen Full-Cama-Sitz…man kann sich das etwa wie ein Business-Class-Sitz in einem Flugzeug vorstellen. Man kann nahezu waagerecht liegen, erhält Kopfhörer, um dem gezeigten Film zu folgen, wird verpflegt und dann wird zur Unterhaltung auch noch Bingo gespielt ;-) Es ginge auch weniger luxuriös, aber so konnte ich angenehm schlafen.
Cusco befindet sich im peruanischen Hochland und ist Ausgangspunkt für viele Trekkingtouren, welche einem zu den verschiedenen Inka-Ruinen und natürlich hauptsächlich nach Machu Picchu führen. Ich nahm an einer viertägigen Tour teil, welche nebst dem Highlight Machu Picchu auch noch Biken, Wandern und Zip Lining beinhaltete. Am ersten Tag wurden wir auf ca. 3500 m hoch gefahren, wo wir dann die Bikes sattelten und ca. 2 h lang ins Tal runter nach Santa Maria bretterten. Am zweiten Tag ging es früh los… es standen 7 h wandern, zum Teil auf einem alten Inka Pfad, auf dem Programm. Der Tag endete in Santa Teresa, wo wir uns vom langen Marsch in den heissen Quellen erholen konnten. Tags darauf ging es etwas ausserhalb von Santa Teresa weiter mit Zip Lining. Dabei schnallt man sich an ein paar Rollen an ein Drahtseil und gleitet von einem Berghang zum anderen. Insgesammt waren sechs Seile mit einer Gesamtlänge von ca. 2 km gespannt… da kann ich nur sagen: Wohooooooooooooo! Danach wanderten wir entlang dem Fluss Rio Urubamba und den Geleisen der PeruRail bis nach Aguas Calientes, welches die letzte Bastion vor Machu Picchu ist. Wir übernachteten dort in einem Hostel und mussten am vierten Tag um fünf Uhr aus den Federn, um den Bus nach Machu Picchu zu erwischen. Die alte Inka-Hauptstadt präsentierte sich uns am Morgen bei schönstem Wetter. Obwohl die Ruinen täglich von Touristen überströmt werden, sind sie immer noch sehr gut erhalten und imponieren vor allem durch ihre Lage auf dem Berg. Ich liess es mir nicht nehmen, auch noch den Gipfel hinter Machu Picchu, Waynapicchu zu erklimmen. Eine ziemlich steile Angelegenheit, wobei ich mich dauernd fragte, welcher schlaue Inka auf die Idee kam, dort oben auch noch irgendetwas zu bauen. Aber die Aussicht vom Gipfel entlöhnte für die Strapazen beim Aufstieg.
Nach meinem Aufenthalt in und um Cusco ging es weiter nach Puno und Copacabana (bereits Bolivien) am Titicacasee, auf fast 4000 m.ü.m.

Además…
- Seit Cusco bin ich mit den beiden Irländern Ronan und Anthony unterwegs. Wir haben uns auf dem Inka-Trip kennengelernt und auf Anhieb gut verstanden. Wann unsere Wege sich trennen werden, ist noch ungewiss.
- Wiedersehn macht Freude: In Cusco ist mir per Zufall wieder Stefu Renfer über den Weg gelaufen. Diesmal in Begleitung seiner Freundin Monä, welche seit Lima mit ihm zusammen reist.
- Grenzübertritte sind hier extrem effizient, wenn gerade ein Fussballspiel läuft. Von Ecuador nach Perú wurde ich kaum zur Kenntnis genommen; schaute der Zöllner doch gespannt in den TV an der Wand während er meinen Pass stempelte…vergesst die Gesichtskontrolle!
- Das Reisen in der Regenzeit hat Vor- und Nachteile: Einerseits sind viele Europäer Schönwettertouristen und frieren lieber in Europa und man hat etwas mehr Platz auf den Reisepfaden in Südamerika. Andererseits kann der oft starke und überraschende Regen sehr herausfordernd sein. Ich bin froh um mein Marmot PreCip Regenjäckchen (…zu empfehlen!), welches trocken hält. Dasselbe kann ich leider von meinen Regenhosen eines schweizer Detailhandelsunternehmen (beginnt mit MIGR…;-) nicht behaupten. Sie liegen nun irgendwo im Abfall.
- Seit Cusco bewege ich mich wieder auf ungewohnten Höhen. Viel (Wasser) trinken und nicht zu viel Essen ist angesagt. Die Höhe schlägt etwas auf die Verdauung. Und natürlich alles schön tranquillo angehen…. ;-)

Hasta luego!

Islas Galápagos

Ich kann mich nicht mehr genau an den Tag erinnern, aber es war irgendwann Ende Juli 2011. Ich war zum Nachtessen von meinen Freunden Petra und Cyrus nach Biel eingeladen worden. Die beiden waren kürzlich von ihrer Weltreise zurückgekommen, hatten zu diesem Zeitpunkt noch keine eigene Wohnung und lebten daher temporär in einer WG von Freunden. Nebst anderen Gästen war an diesem Abend auch WG-Mitbewohner Stefan Renfer zugegen, welcher ein paar Wochen später nach Mexiko aufbrechen wollte, um seine sieben monatige Lateinamerikareise in Angriff zu nehmen.

Nun, zirka fünf Monate später, lag ich in einer Kajüte auf einem Schiff namens Flaminco (…nicht Pink-…;-), ähnlich jenem Shrimp-Kutter, mit welchem Forrest Gump seine Millionen machte.
Es war gerade Halbzeit meiner achttägigen Galapagos-Bootstour. Ausser mir und der Österreicherin Birgit hatten gerade alle anderen Gäste das Boot verlassen und neue Leute waren an Bord gekommen, da sie eine 4-Tages-Tour gebucht hatten. Als ich dann aus meiner Kajüte an Deck hervorkroch, um die Neuen zu begrüssen, rutschte mir als erstes ein erstauntes „das gits doch nid!“ über die Lippen. Stand doch da jener oben erwähnte Stefan vor mir, zwar mit reichlich mehr Haar und Rabbi-ähnlichen Koteletten (…er hat eine Wette am Laufen…;-), aber er war es! Ich freute mich sehr, ein bekanntes Gesicht zu sehen und wieder mal etwas Berndeutsch zu plaudern.

Der ganze Ausflug auf die Galapagos-Inseln war ein einziges Highlight! Ich hätte nie gedacht, dass es in unserer Zeit, voller Krisen, Machtkämpfen, Umweltproblemen, Kriegen und anderen menschlichen Fehltritten noch immer einen Ort wie diese Inseln geben kann, wo einzigartige Tiere noch so zutraulich sind, weil sie Menschen nicht als Bedrohung ansehen! Aber ich will gar nicht zu viele Worte verlieren und lieber die Bilder sprechen lassen.

Nur so viel sei noch gesagt: Die Fotos wurden nicht nachbearbeitet oder aus dem Internet runtergeladen;-) Die Unterwasserfotos wirken auf Grund des GoPro-Objektivs etwas verzerrt…eigentlich war alles etwas grösser… ;-)

Hasta luego!

La Hesperia

Vor vier Wochen habe ich meinen Wohnsitz in Quito verlassen und habe mich auf gemacht in die Pampa. Auf dem Weg von Quito an die Küste Ecuadors fährt man mit dem Bus westwärts Richtung Santo Domingo. Irgendwann passiert man ein kleines Kaff namens La Hesperie, ein Ort ohne Bushaltestelle in einem Tal, das mich an den Film „Gorillas im Nebel“ erinnerte: Grüne steile Berghänge, mit Nebel und Wolken verhangen. Zum Glück kannte der Busfahrer die kleine Gemeinde, ich hätte nicht gewusst wo aussteigen!
Mir wurde gesagt, ich werde meine Volontär-Stelle im Projekt „La Hesperia“ nach einem gemütlichen, 20 minütigen Spaziergang erreichen… nach etwas mehr als einer Stunde hatte ich dann die 300 Höhenmeter mit meinem 70-Liter-Rucksack am Rücken überwunden… T.I.E (= This Is Ecuador).
La Hesperia ist ein 900 Hektar grosses Privatgrundstück, auf welchem sich grösstenteils sogenannter Nebel-Wald befindet. Ziel des Projekts ist es, den einzigartigen Wald mit einheimischen Hartholzbäumen aufzuforsten; das Gebiet wurde vor langer Zeit einmal gerodet. Da so ein Nebelwald keine wirklichen Einnahmen einbringt, sind die Besitzer des Grundstücks auf freiwillige Mitarbeiter angewiesen, welche mithelfen, die Samen der existierenden Bäume zu sammeln, diese in der eigenen Baumschule zu verpflanzen und später wieder auszusetzen und zu pflegen.
Auf dem Grundstück befindet sich auch ein kleiner Bauernhof mit Kühen, Pferden, Eseln und Hühnern. Zudem hat es Kaffee-, Kakao-, Orangen- und Erdnuss-Plantagen. Der Hof verursacht natürlich auch viel Arbeit. So muste z.B. täglich die Milch der Kühe mit dem Esel runter ins Dorf gebracht werden oder wir Volontäre musten mithelfen, Kaffee zu rösten oder Brot zu backen. Es gab auf jeden Fall immer etwas zu tun. Morgens wurden wir meistens mit den körperlich anstrengenderen Arbeiten beauftrag, wie z.B. mit der Machete Pfade in den ziemlich dichten Wald schlagen (Danny Trejo lässt grüssen…;-) oder Wasserkanäle schaufeln, und nachmittags ging es etwas lockerer zur Sache.
Ich genoss die physische Arbeit sehr, es war ein willkommener Gegensatz zu meiner bekannten Bürotätigkeit.

Además…
- Die Zusammensetzung des Volontär-Teams wechselte von Woche zu Woche… es zieht vor allem Europäer und Nordamerikaner nach La Hesperia
- Es ist erstaunlich, wie sicher man sich unter einem Moskitonetz fühlen kann… Dennoch hatte ich in den letzten Tagen jeden Morgen irgendwelche neuen Stiche oder Bisse am Körper, von welchen Tierchen auch immer… es kreucht und fleucht halt sehr bei diesem feuchten Klima! Generell schien die Sonne nur selten, die Kleider trockneten nur schlecht und fühlten sich auch feucht an, wenn sie eigentlich trocken waren… alles war etwas schmuddelig und dreckig, aber die Zeit war ja absehbar J
- Den Volontären wurde nahegelegt, sich nach der Arbeit im Wald zu duschen und neue Kleider anzuziehen. Ich habe mir gedacht „papperlapap“ und habe dem nicht so grosse Beachtung geschenkt, bis ich plötzlich überall rote Punkte von irgendwelchen angriffslustigen, unsichtbaren Parasiten am Körper hatte… seitdem befolgte auch ich die Anweisung (= natürlich Handwäsche ;-)
- Silvester habe ich im Städtchen Baños verbracht… auf dem Weg dorthin, schien es mir, als sei ganz Ecuador mit dem Bus unterwegs. Auf halbem Weg musste ich den Bus wechseln. konzentriert darauf, einen der wenigen freien Plätze zu ergattern, steckte ich rein aus Gewohnheit meine Brieftasche statt zurück in den Rucksack in meine Hose. Als ich dann im zweiten Bus sass, realisierte ich, dass die 15 Dollar in der Geldbörse nun einen kleinen, verdammt erbärmlichen Langfinger erfreuten… *gr#mpf#*  Dummerweise war auch meine EC-Karte flöten gegangen. Aber dank meinem Privat-Banker bei der Credit Suisse ist eine neue Karte bereits letzte Woche in Quito angekommen. Ich kann sie am Montag abholen gehen. Danke Stefu, ich schätze deinen Service sehr!
- Die Silvesternacht in Baños war dann ein wahres Erlebnis: Traditionsgemäss verkleiden sich die Männer als Frauen und generell werden die schlechten Erlebnisse des alten Jahres symbolisch in Form von Puppen verpackt (…zusammen mit etlichem Feuerwerk). Kurz vor Mitternacht werden die Puppen dann mitten auf den Strassen verbrannt. Das Ganze war zeitweise ziemlich kriminell und die Szenen glichen einer Stadt im Bürgerkrieg. Man stelle sich vor, dass etliche Raketen die gekleisterten Puppen unkontrolliert durchbohrten und einem dann auf Kopfhöhe am Körper vorbei zischten! Aber es war faszinierend, dieses Schauspiel mitzuerleben!
- An einem Wochenende habe ich noch einen Ausflug an die Pazifik-Küste Ecuadors gemacht, um etwas die Sonne und das Meer zu geniessen. Auf dem Rückweg nach La Hesperie war dann plötzlich eine Brücke verschwunden… es hatte in der Nacht zu viel geregnet. Die Ecuadorianer improvisierten mit ihren privaten Motorbooten einen Fährdienst und auf der anderen Flussseite wurde man mit privaten Pick-Ups in die nächste Stadt gefahren… ;-)

Nach den anstrengenden vier Wochen als Wald- und Landwirtschaftsarbeiter habe ich mir ein kleines Schmankerl gegönnt, worauf ich mich sehr freue. Am 24. Jäner werde ich von Quito auf die Galapagos-Inseln fliegen und dort acht Tage auf einer Yacht die einzigartige Tierwelt und hoffentlich auch angenehm warmes Wetter geniessen. Ich habe bei einem relativ günstigen Last Minute Angebot zugeschlagen, welches meine Zeit in Ecuador abschliessen wird.

Hasta Luego!

El Oriente

Am letzten Donnerstag habe ich Quito, zusammen mit Birgit (Österreich) und Jörn (Deutschland), welche ich in der Sprachschule kennengelernt habe, in Richtung Osten verlassen. Wir hatten zusammen einen Ausflug ins Amazonas-Gebiet von Ecuador, auch La Selva oder El Oriente genannt, gebucht. Mit dem Bus ging es erst über eine Anden-Passstrasse auf 4000m und dann in einem verdammten Höllenritt runter Richtung der Öl-Stadt Lago Agrio. Unsere beiden Chauffeure kannten die Strecke offensichtlich sehr gut; das Ganze war nichts für heikle Mägen… die Fahrt war aber durchaus interessant, konnte man doch gut beobachten, wie sich die Landschaft veränderte und der Angstschweiss wich langsam dem bekannten Schweiss, welcher einem in tropischen Gebieten die Kleider am Körper kleben lässt. Wir übernachteten in Lago Agrio und reisten am Freitag weiter; zuerst zwei Stunden mit einem kleinen Bus durch das Öl-Fördergebiet von Ecuador und dann weitere 2.5 Stunden mit klassischen Langbooten auf dem Rio Cuyabeno direkt in den Cuyabeno National Park.
Der National Park ist ein geschütztes Gebiet an der Grenze zu Kolumbien, wo die Welt noch etwas anders tickt… Unserer Gruppe schloss sich noch Susan aus München an und zusammen mit unserem „persönlichen“ Guide David fuhren wir zu unserer Unterkunft irgendwo im Dschungel, der „Jamu Lodge“. Der Ausflug war nicht als „Ferien-Plausch bei 30 Grad“ gedacht sondern eher als Öku-Tourismus-Trip, um einem das urtümliche Leben im Amazonas auf möglichst unverfälschte und umweltverträgliche Art und Weise näher zu bringen. So war unsere Lodge z.B. sehr einfach gehalten, Strom gab es keinen, die Küchen-Crew kochte (übrigens sehr sehr fein!) mit Gas und hielt die Esswaren mit Eis frisch. In den Zimmern wurden die Zähne bei Kerzenlicht geputzt; Das Abwasser wurde in Bakterie-Tanks unweltverträglich gemacht… Zusammen mit David unternahmen wir während der vier Tage verschiedene Erkundungstrips auf dem Wasser und an Land, am Tag und in der Nacht, wir besuchten die örtliche Indio-Gemeinschaft der Sionas, lernten viele verschieden Pflanzen kennen und wurden natürlich immer wieder mit putzigen Tierchen konfrontiert…. von verschiedenen Affen, über Piranhas, Flussdelfine, Kaimane, Spinnen, Frösche, bis hin zu den Königinnen des Amazonas… der Anaconda. Tatsächlich fanden wir drei dieser Schlangen, alle zwischen 5 und 6 Metern lang… eine davon ziemlich gezeichnet von einem Kampf mit einem Kaiman.
Wir waren alle sehr beindruckt von der komplett anderen Welt, in welcher wir uns aufhalten durften.

Además…
- Im gleichen See, wo wir die erste Anaconda sahen, nahmen Jörn und ich ein Bad bei Sonnenuntergang… ein spezielles Gefühl, aber wir vertrauten unserem Guide;-)
- Mit der ca. 80-jährigen Aurora ernteten wir Yuka und machten daraus Yuka-Fladenbrot. …als Aurora geboren wurde, gab es in diesem Gebiet noch keine Geburten-Registration…man weiss also nicht genau, wie alt sie ist. Sie lebt mit ihrem Mann Luis in der Kommune der Siona in einer spärlichen Hütte am Rio Cuyabeno
- Ich habe ein neues Talent entdeckt: Piranhas fischen… innert 45 Minuten drei Red Belly Piranhas…die andern gingen leer aus… wohoooooooo!
- Sternenhimmel im Amazonas…. Unschlagbar!
- Beim Tapir-Spotting in der Nacht fand unser Guide plötzliche den Rückweg nicht mehr… spezielles Gefühl. Wir fanden das Kanu dann trotzdem noch…
- Der Schamane (Medizinmann) Tómas erklärte uns, wie er einen Patienten behandelt. Eine eindrückliche Persönlichkeit mit unglaublich schwarzen und dennoch leuchtenden Augen und einer eindringlichen Stimme. Ich weiss nicht, ob der Ausdruck seiner Augen vom Ayahuasca herrührt, einem halluzinogenen Gesöff, dass die Schamane regelmässig einnehmen, damit sie die Krankheiten wahrnehmen können… Unser Guide erzählte uns von Touristen, die irgendwie an Ayahuasca gelangt waren und dann plötzlich splitternackt durch den Dschungel rannten oder versuchten, in einer Kühltruhe und mit einem Paddel, den Fluss zu überqueren… Fragen Sie also vorher Ihren Arzt oder Apotheker ;-) Tómas gestand aber auch ein, dass er nicht alles heilen kann und er, je nach dem, die Patienten an einen Schulmediziner verweist. Die Ausbildung zum Schamanen dauert um die 40 Jahre!
Jörn liess es sich nicht nehmen, seinen Herzkreislauf durch Tómas mittels einer spez. Pflanze anregen zu lassen… in der Schweiz hätte man wahrscheinlich eine Brennnessel genommen… ;-)
- Unser Zimmer war auch bei anderen Gästen beliebt… zuerst ein Baumfrosch, der mich beim nächtlichen Pinkeln attackierte, dann eine niedliche Tarantel, die plötzlich unter Jörns Bett hervorkroch und einfach unbedingt über Nacht bleiben wollte, sowie einem Gecko, der sich aber dann jeweils ziemlich schnell versteckte. Ihr wisst gar nicht, wie sicher man sich unter einem Moskitonetz fühlen kann!!!

Nun verbringe ich bereits die letzte Woche bei meiner Gastfamilie. Am Weihnachtswochenende disloziere ich aufs Land in mein vierwöchiges Volontär-Projekt. Ich bin froh, endlich aus dem dreckigen Quito raus kommen zu können, obwohl ich voraussichtlich im Projekt kein warmes Wasser, kein Handyempfang und erst recht kein Internet haben werden;-)

Feliz Navidad!

Cotopaxi

Am vergangenen Samstag unternahm ich einen geführten Ausflug auf den zweithöchsten Berg Ecuadors, el Cotopaxi (5897m). Cotopaxi ist einer von ca. 60 Vulkanen in Ecuador und gilt als aktiv. Sein letzter Ausbruch war 1904 und man rechnet eigentlich damit, dass er nächstens wieder mal etwas dergleichen tun sollte. Aber an diesem Samstag blieb er ruhig;-)
Mit 19 anderen Touris aus aller Welt (darunter ein paar ganz ganz nervi… hömmm komische Typen) ging es früh morgens los auf der Panamericana Richtung Süden. Unterwegs luden wir noch 20 Mountainbikes auf; der Trip beinhaltete auch eine halbstündige Abfahrt mit den Bikes. Nach drei Fahrstunden gelangten wir dann in den Nationalpark und fanden uns in einer komplett anderen Landschaft wieder.
Unser Bus fuhr uns erst mal bis zum „Parkplatz“ auf rund 4500m. Die restlichen 300 Höhenmeter bis zum Refugio (Bergsteigerhütte) durften wir dann noch zu Fuss hinter uns bringen… tönt nicht nach viel, aber in dieser Höhe benötigt man dafür gerne mal 35 bis 50 Minuten…. je nach Formstand… ;-) Da wird die Luft sprichwörtlich dünn.
Als dann alle bei der Hütte angekommen waren, konnten jene die wollten, noch mit dem Guide weitere 200 Hm bis zur Schneegrenze auf 5000m hochsteigen… liess ich mir natürlich nicht nehmen (…aber für ganz nach oben waren wir natürlich zu hobbyhaft ausgerüstet;-).
Wir hatten übrigens Glück, das Wetter spielte mit und präsentierte uns den Vulkan in voller Pracht.
Just nach unserem Abstieg, als wir die Bikes satteln wollten, schlug das Wetter um und uns stand eine Abfahrt in einem Gemisch aus Nebel, Regen und Hagel bevor.
Nach meinen letzten Bikeferien mit „Jürä’s Biketrüppli“ in Pontresina, hatte ich die Befürchtung, dass ich auch hier in den Anden etwas hinten ab sein könnte… aber nein, im internationalen Vergleich kann ich mich durchaus noch sehen lassen. Nach 200m lagen bereits ein Kanadier und ein Holländer mit Schürfwunden an Händen und Gesicht auf dem groben Vulkanschotter… Marti überholte rechts, trotz mangelnder Bremsleistung, ziemlich locker und fand sich an der Spitze des Feldes wieder. Hans Jucker hätte sich im Grab umgedreht! Die Abfahrt führte ca. 30 min bis zur Laguna de Limpiogungo (Andensee auf 3800m), welche trotz Regen einen ziemlich idyllischen Eindruck machte.
Bevor wir uns dann wieder auf den Rückweg nach Quito machten, gab es für alle noch eine heisse Kartoffelsuppe, mit Brot und Guacamole und zum Dessert frische Früchte.

Además…
- Die Gastfamilie ist schon voll im Weihnachtsfieber… ich durfte/musste mithelfen, die Wohnung zu schmücken… alles was über 1.80 aufgehängt werden musste war mein Job. Und da geht man hierzulande nicht zimperlich ans Werk… mit Bohrmaschine und Leimpistole wurden Wichte, Samichläuse und künstliche Tannenäste ohne Rücksicht auf Tapete oder Wandfarbe nach Vorgabe von Mutter Rocio montiert. Hammer und Nagel… was ist das? Und dann noch der Weihnachtsbaum… nach meiner persönlichen Hochrechnung trägt der Kunststoffbaum nun an die 2000 Lämpchen!!!
- Zur Zeit kämpfe ich mit einer ziemlich aggressiven Erkältung… wahrscheinlich die Folgen der Pickup-Fahrt im Regen am vorletzten Wochenende. Mutters Rödleröl findet endlich seinen Einsatz;-)
- Als nächstes werde ich mit einem Deutschen und einer Österreicherin einen viertägigen Ausflug Richtung Osten, ins Amazonas-Gebiet Ecuadors machen… ein Ausflug, der uns von der Schule empfohlen wurde… bin mal gespannt, was für putzige Tierchen wir dort sehen werden… ;-)

Hasta luego!

Quito oder Aller Anfang ist schwer

Irgendwie hat mich die Hauptstadt von Ecuador nicht so empfangen, wie ich mir das vorgestellt hatte. La Mariscal, das Viertel wo sich mein Hostel und auch die Schule und die Gastfamilie befindet, ist wahrlich nichts Schönes. Und von Anfang an warnte mich jeder, vor der Strassenkriminalität in Quito. Ja, die Gangsterstories übertrafen sich mit immer weiter… Ich fühlte mich meiner gewohnten Freiheit beraubt und konnte mich nicht frei bewegen. Der sonntägliche Ausflug in die Altstadt wurde zum gestressten Spaziergang. Die ersten vier Tage waren somit ein wahrer Kulturschock und ich denke, ich verspürte (wahrscheinlich zum ersten Mal im Leben…) etwas Heimweh. Aber man(n) lässt sich halt nicht unterkriegen und nach drei, vier Tagen hatte ich meine Swissness abgelegt…;-)
Mittlerweile wohne ich bei der Familie Nuñes. Die erste Begegnung war etwas unterkühlt, aber seit ich am vergangenen Dienstag Abend helfen musste, die Wohnung zu entwässern (Mutter Rocio hat leider den Wasserhahn im Waschraum offen gelassen…), fühle ich mich hier recht wohl. In der grossen Wohnung wohnen Rocio mit ihren zwei leiblichen Kindern Luis Miguel und Carla sowie zwei Kindern von Verwandten aus Peru, Julian und Carolina.
Die Sprachschule ist sehr gut organisiert und bietet nebst dem Unterricht auch etliche Aktivitäten für die Wochenenden an. Ich denke, dass ich mal einen mehrtägigen Ausflug ins Amazonas-Gebiet von Ecuador machen werde und auf den Vulkan Cotopaxi (5897 m) gibt es auch geführte Touren.
Zur Zeit findet gerade die Fiesta de Quito statt… das Fest zur Gründung der Stadt. Auf den Strassen hört man überall die für das Land typische Musik und auf den wichtigsten Plätzen finden Konzerte statt.

Además…
- Lauchsuppe mit PopCorn…ist eine Spezialität
- Essen generell: Pollo, Arroz, Arroz, Patatas, Pollo, Arroz, Arroz, Pescado, Arroz, Arroz….
- Schweres Atmen bei der kleinsten Anstrengung… Quito liegt auf 2900 Metern
- Besuch der Markthalle mit der Schule: Es gibt also Früchte, das glaubt man nicht… rosarote Bananen, Tomaten die am Baum wachsen, Mini-Ananas, und und und… ;-)
- Wetter: Vier Jahreszeiten an einem Tag sind hier keine Seltenheit. Temperaturen zw. 11 – 25 Grad Celsius ;-)
- Ausflug ins Städtchen Otavalo mit Besuch auf dem weltbekannten Markt sowie sonntäglichem Ausflug und Wanderung um den Kratersee des Cuicocha Vulkans
- Als 1.80 grosser Gringo wird man hier schnell zum Fotosujet… Foto mit mir hier, Foto mit mir da… Die Bevölkerung ist sich nicht gewohnt, dass sich jemand im Bus den Kopf an der Decke stösst

p.s. Am Freitag, als ich nach Ecuador abflog, standen um 06:30 Uhr sechs hartgesottene, unverbesserliche Caballeros mit zwei Kasten Amber-Bier am Bahnhof Lyss, um mich zu verabschieden. An Stelle des Freitag FüBi’s gab es extra für mich ein Freitag ZmoBi! Ein wahrlich grossartiger Abschied! Muchas Gracias Dime‘s!!!

Hasta luego!

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